Die Lage auf dem Arbeitsmarkt im Juli 2014

Potenzial der Exporte in die EU zahlt sich aus

127’054 Arbeitslose waren Ende Juli 2014 bei den Regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV) gemeldet, 422 mehr als im Vormonat. Das zeigen die Erhebungen des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco). Die Arbeitslosenquote verharrte im Berichtsmonat bei 2,9%. Boris Zürcher, Leiter der Direktion für Arbeit beim Seco geht davon aus, dass die Massnahmen der USA und der EU gegen Russland die Beschäftigung in der Schweiz kaum tangieren werden – es sei denn, die Wirtschaftlage Europas würde davon und von Retourkutschen härter als erwartet getroffen.

Registrierte Arbeitslose nach ausgewählten Merkmalen Juli 2014  
Registrierte Arbeitslose nach ausgewählten Merkmalen, 
Juli 2014
 
Reistrierte Arbeitslose nach Kantonen Juli 2014  
Arbeitslosenquote nach Kantonen, Juli 2014
 
Stellensuchende und Arbeitslose Jul 2014  
Registrierte Stellensuchende und Arbeitslose, Jul 2014
(Quelle Seco) 
 

Gegenüber dem Vorjahresmonat verringerte sich die Arbeitslosigkeit per Ende Juli um 1’462 Personen oder 1,1%. Zu beachten ist dabei, dass sich hinter der Veränderung von 422 Einheiten 27816 Ab- und  27394 Neuzugänge verbergen. Die Entwicklung ist also dynamischer als auf den ersten Blick erwartet werden kann. Dies lässt sich auch in anderen Subkategorien beobachten. Werden in der Deutschschweiz beispielsweise nur 129 zusätzliche Arbeitslose gemeldet, so stehen hier 16300 Zugängen 16176 Abgänge gegenüber. In der Westschweiz und im Tessin sind die entsprechenden Zahlen 11516 Zu- und 11218 Abgänge.

Frauen mit grösserem Minus

Eine beachtenswerte Entwicklung lässt sich zudem erkennen, wenn man diese Vergleiche bei Männern und Frauen bzw. In- und Ausländern anstellt: Einem Minus von 567 arbeitslosen Männern im Juli 2014 (14999 Zu- und 15564 Abgänge) steht ein Plus von 989 Frauen (12817 Zu- und 11830 Abgänge), einem Plus von 1440 Inländern (15949 Zu- und 14525 Abgänge) ein Minus von 1018 Ausländern (11867 Zu- und 12869 Abgänge) gegenüber. Die relativ grösste Veränderung in dieser Betrachtungsweise zeigt sich bei der Alterskategorie der 15- bis 24-Jährigen: Hier wird im Vormonatsvergleich ein Plus von 11,3 % auf 16647 Personen ausgewiesen, wobei das wiederum auf 6802 Zu- und 4863 Abgängen beruht.

Die Jungen sind kein wirkliches Problem

Die Jugendarbeitslosigkeit erhöhte sich also um 1’695 Personen.  Da wird man vor dem Hintergrund der hohen Jugendarbeitslosigkeit in anderen – auch europäischen – Ländern hellhörig. Doch schon der Vergleich mit dem  Vorjahresmonat wirkt wie Balsam. Hier zeigt sich nämlich ein Rückgang um 984 Personen bzw. 5,6%. Und auch die Experten beruhigen: Die einmalige Veränderung sei kein Grund zur Sorge, weil mit den Austritten vieler Jugendlicher aus ihren Lehrverträgen und erstmaligen Auftritten auf dem Arbeitsmarkt zu erklären. Die Situation sei saisonnal bedingt, werde sich also rasch beruhigen. 

Arbeitsmarkt intakt

Ein weiterer Aspekt sei noch erwähnt: Über 180000 Menschen suchen über die Arbeitsämter Ende Juli in der Schweiz eine Stelle. Das sind 40% mehr als Arbeitslose registriert waren, aber nur 133 mehr als im Vormonat. Gegenüber der Vorjahresperiode sank diese Zahl sogar um 576 Personen (-0,3%). Wenn nun dieser Zahl 13’240 bei den RAV gemeldete offene Stellen gegenüberstehen (im Vormonatsvergleich -6.8 % bzw. -971), dann erklärt das die oben gezeigte Dynamik und gleichzeitig die gerühmte Flexibilität des Schweizer Arbeitsmarktes. Ohne diese hätten die Stellensuchenden keine Chance, je einen neuen Arbeitsplatz zu erobern. 

Geringer Einfluss der Russland-Krise

Zusammengefasst gibt die Lage des Schweizer Arbeitsmarkts Ende Juli 2014 keinen Anlass zur Sorge. Daran sollte – so Boris Zürcher, Leiter der Direktion für Arbeit beim Seco – auch die energischen Massnahmen seitens der USA und der EU gegen Russland nicht viel ändern. Nicht dass sich die neutrale Schweiz hier herauswinden und allfällige Entscheide nicht mittragen sollte/könne. Es sei allem der Grössenunterschied des Schweizer Aussenhandels mit der EU und desjenigen mit Russland, der beruhigend wirke. Er unterstreicht aber auch, dass Vorsicht geboten ist, den „Ruhepol“ Handel mit der EU nicht unnötig zu stressen oder herauszufordern.     

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09.08.2014 | Autor Jörg Naumann

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