Immohealthcare 2014

Neufinanzierung der Spitalimmobilien durch Investitionen

Bereits zum sechsten Mal fand der Schweizer Kongress für Immobilienthemen im Gesundheitswesen – Immohealthcare 2014 - statt. In St. Gallen waren hochkarätige Persönlichkeiten aus der Politik und Wirtschaft, u.a. Regierungsrätin Heidi Hanselmann, dabei. Hauptthema war Facility Management und Spitalfinanzierung.

Der Schweizer Fachkongress Immohealthcare (www.immohealthcare.com), der am 23. und 24. April 2014 im Würth Haus Rorschach durchgeführt wurde, ist eine feste Institution im Schweizer Gesundheitswesen. Die Themen befassten sich auch mit der konkreten Situation im Kanton St. Gallen, welcher vor wichtigen Entscheidungen im Jahr 2014 steht. Veranstaltet wurde der Kongress von informa exhibitions in Zusammenarbeit mit der Reso Partners AG und von Wirtschaftspartnern wie Credit Suisse AG, Cofely AG, ICME International AG, Implenia Schweiz AG, Itten+Brechbühl AG, PWC und Vebego ermöglicht.

Mit rund 30 Fachvorträgen und gegen teilnehmenden 300 Fachleute hat sich der Kongress zu einem der bedeutendsten jährlichen Treffpunkte der Branche entwickelt. Der diesjährige Anlass widmete sich den Themen rund um die Übertragung der Immobilien an die Spitäler, Investitionsplanung in dezentrale Versorgungsgebiete und Möglichkeiten zur Effizienzsteigerung in Management und Betrieb. Roger Krieg von Reso Partners AG, als einer der Veranstalter, eröffnete den Kongress und wies auf die Spitalsituation im Kanton St. Gallen, die sich im Umbau befindet.

Neues Spital-Modell im Kanton St. Gallen

Die Regierungsrätin und Vorsteherin Gesundheitsdepartement des Kantons St. Gallen, Heidi Hanselmann, nannte in ihrem Referat das Spitalwesen als «fein abgestimmtes Räderwerk», dessen Strukturen die Politikerin zu verantworten hat. Die Spitalversorgung durch die öffentlichen Spitäler im Kanton St. Gallen sei ein Leistungs-Netzwerk, das eine wohnortnahe Versorgung mit hoher Qualität sicherstellt.

Regierungsrätin Heidi Hanselmann

Eine wichtige Treibfeder dieses Räderwerks ist das zweistufige Modell: Das Kantonspital und das Ostschweizer Kinderspital bieten die hochspezifische Medizin sowie die überregionale Versorgung. Die drei regionalen Spitalunternehmen – Spital Linth, Spital Toggenburg und Spital Werdenberg-Sarganserland – gewährleisten im Rahmen der Zusammenarbeit mit dem Kantonsspital die wohnortnahe Grundversorgung, erklärte die Regierungsrätin.

Früher war die Spitalstruktur umfangreicher; es bestanden neun Krankenhäuser, die nun zusammengelegt und fusioniert wurden. Auf Grund dieser Neustrukturierung des Spitalwesens gehört der Kanton St. Gallen heute zu den kostengünstigsten Anbietern von medizinischen Leistungen in der Schweiz, so Heidi Hanselmann. Im Übrigen bewege sich die Bettenbelegung der Spitäler gegen 90 Prozent und mehr.

Um die Gesundheitskosten zu optimieren sei auch die Verlegung von Reha-Kliniken notwendig gewesen. Bei den Neubauten, die auf rund 130 Millionen Franken zu stehen kommen, gehe es darum, die Patientenzimmer auf einen modernen Standard aufzurüsten, das heisst z.B. Nasszellen in den Zimmern einzurichten. Die politischen Gremien hätten nun die Aufgabe die Übergabe der Spital-Immobilien an die neuen Spital-Unternehmen vorzubereiten und abzuwickeln, berichtet die Regierungsrätin, und selber langjährige Leiterin Abteilung Logopädie am Kantonsspital St. Gallen.

Leistungszuordnungs-Modell vorgestellt

Dann trennte sich der Immohealthcare-Kongress in zwei Programm-Themen, die einen befassten sich mit dem Gesundheits- und Spitalwesen im Kanton St. Gallen, wo einige Verantwortliche aus verschiedenen Sparten über die Neustrukturierung informierten, während die andern sich FM-Konzepten, der Planung und den Marktperspektiven widmeten und Vorträge anhörten.

Nicole Gerber (Wissenschaftliche Mitarbeiterin am ZHAW Wädenswil) und Viola Läuppi (Wissenschaftliche Assistentin am ZHAW), die bereits an der fmpro-Fachtagung ihr Leistungszuordnungs-Modell für FM-Support vorstellten, präsentierten das neue Rahmenwerk. Man sei sich heute bewusst, dass dem Bereich Facility-/Infrastructure-Management (FM) mit einem Kostenanteil von 30 bis 40 Prozent eine bedeutende Rolle zufällt. Um sinnvolle und nachhaltige Optimierungsmassnahmen einleiten zu können, werden daher je länger je mehr Kostenwahrheit und -klarheit sowie Prozess-Transparenz im und vom Spital-FM gefordert. Gleichzeitig ist der FM-Bereich in der Lage, mit abgestimmten Service- und Support-Leistungen die Effizienz des Kerngeschäftes zu erhöhen, zur Qualitätssicherung beizutragen und so das Image des Spitals zu steigern.

Vor dem Hintergrund der aktuellen Situation im Gesundheitswesen (nach Einführung von SwissDRG Fallpauschalen-System) entstand die Idee einen Think Tank FM in Healthcare zu gründen, der nun das Leistungszuordnungs-Modell für nicht-medizinische Supportleistungen (LemoS) erarbeitet hat.

IT-Führungssysteme für FM

Das Referat zum Thema «Abstimmung zwischen ERP und CAFM – eine erhöhte Herausforderung im Spitalumfeld» bestritten Wolfgang Perschel (Moderator und Arch. ETH – Mitinhaber conrealis ag) und Ernst Roth (Reso Partners AG). ERP und CAFM sind Führungssysteme und im komplexen Spitalumfeld der Informatik und wichtig. ERP biete ein konsolidierendes System, während CAFM die Basis für die gebäude- und infrastrukturbezogenen Daten und Kennwerte bildet, erläuterten die beiden Referenten.

Als Empfehlung wurde stichwortartig formuliert: 1) Vermeidung von Medienbrüche: Wo möglich die werteflussrelevanten Prozesse in einem System führen; Zeitersparnis, da konsistent nachvollziehbar; 2) Durchgehende Nutzung der immobilienrelevanten Daten: Diese sollen für Nutzer zugänglich sein; sinnvollerweise auf eine IT-Plattform aufbauen. 3) Geschäftsprozessveränderung in verschiedenen Bereichen: Qualitätsveränderung durch höhere Detailtiefe – bessere Aussagekraft, Einführung von neuen Prozessen zwingt zum Nachdenken von bestehenden Abläufen und Kostenreduktion von bestimmten Prozessen durch das Review.

Energiemanagement mit neuen Ideen

Über Möglichkeiten der Energiewende in den Spitälern berichtete Dieter Többen, CEO Dr. Eicher + Pauli AG, und wies auf die Nutzung von Holz und auf Holzheizungen hin. Mit guten Hüllen sei eine maximale Heizungstemperatur von 30 Grad Celsius genügend. Die Wärme werde dann über Heizdecken, TABS oder Fussbodenheizungen in den Räumen abgegeben. Diese Systemanpassungen können bei Erneuerungen und Neubauten problemlos erzielt werden, meinte Dieter Többen, und diese eröffneten den Weg zur optimalen Abwärmenutzung.

Dieter Többen, CEO Dr. Eicher + Pauli AG

Der Eicher + Pauli-CEO informierte über die Energie-Lösungen im Inselspital Bern oder im Spitalzentrum Biel, im letzteren wurde eine Holzheizung eingebaut, auf der Basis von Niedertemperatur. Bei sinnvoller Nutzung aller erneuerbarer Energiequellen könne Wärme und Kälte mit entsprechenden Systemen weiter genutzt werden.

Wandel der Spital-Reinigung in St. Gallen

Marcel Heuberger (Leiter Hauswirtschaft & Areal) und Martina Fässler (Leiterin Reinigung vom Kantonsspital St. Gallen) erläuterten den Wandel in der Objektreinigung und -Pflege. Während der gesamte St. Galler Spital-Betrieb rund 610 Mitarbeitende zählt, besteht die von Marcel Heuberger geleitete Abteilung Hauswirtschaft & Areal aus 282 Mitarbeitenden und 178 Personaleinheiten. Allein in der Reinigung gibt es 210 Mitarbeitende, die eine Fläche von 148 476 Quadratmetern in 6746 Räumen bearbeiten. Das Personal rekrutiert sich aus 29 Nationen.

Marcel Heuberger

Als Zielsetzung und Entscheid hat man die Unterhaltsreinigung neu organisiert: keine eigene Wäscherei, Mehrwegtextilien sowie als Arbeitsgerät der Kleenline-Jonmaster. Damit gilt nun ein Unterhaltsreinigungssystem für alle Standorte. Die Qualität erfüllt einheitliche Standards und Schnittstellen; das ergab mehr Zufriedenheit bei den Mitarbeitenden. Mit der neuen Systemeinführung wurden die Arbeitspläne angepasst und mehr Wert auf Textilien gelegt sowie eine erfolgreiche ISO-Zertifizierung abgeschlossen.

Martina Fässler ging dann im Referat detaillierter auf die Abwicklung des neuen Reinigungskonzepts ein und erklärte, dass damit Zeitersparnisse um 33 Prozent erreicht werden; die Reinigungszeit eines Patientenzimmers werde um 10 Minuten verkürzt und in den Bettenstationen um 16 Prozent minimiert; was eine klare Effizienzsteigerung bedeutet. Und die Zimmer werden vormittags gereinigt, um so nicht zu den Besuchszeiten tätig zu sein.

Auch die Planung muss geplant sein

Friedrich Häubi, Architekt ETH, sprach zum Thema «Integrale Planung als Voraussetzung für die Transformation von Gesundheitsimmobilien» und listete die Rollen beim Zusammenspiel von Auftraggeber, Planer usw. auf. Als eine wichtige These vertrat er: «Plane die Planung». Wie auch bei andern Bauten zeige sich, dass die Planungsfehler zu den grossen Kostenüberschreitungen führen können.

Abschliessend kommt Friedrich Häubi zum Schluss: Die wirtschaftlichen und technischen Anforderungen an Spitalbauten überfordern zunehmend herkömmliche Planungsorganisationen. Der Strukturwandel verändert Rollen und Berufsbilder. Integrale Planung erfordert in erster Linie enge und geführte Zusammenarbeit zwischen den Beteiligten. Eine Schlüsselrolle kommt dem Besteller zu. Erfolgreiche Planungsprozesse beginnen beim Besteller Neue Methoden und Technologien, besonders BIM können integrale Planung wirksam unterstützen und Praxisbeispiele belegen den Erfolg integraler Planung.

BIM als Managementhilfe

Professor Odlilo Schoch von der Berner Fachhochschule befasste sich in seinem Vortrag mit den «Interdisziplinäre Planungsmethode BIM». Er sieht als Herausforderung für die Schweizer Situation, dass mehr Kompetenzen bei Planern und Bauherren angesiedelt wird, ein BIM Overlay für SIA 112, eine klare BIM-Koordination, Anpassung der Software (BIM, Helvetisierung), Standardisierte Klassifizierung und Integration des Betreibers in die Planung.

Thomas Haller, Dozent an der ZHAW Wädenswil, äusserte sich unter dem Titel «Die integrierte Lebenszykluskosten (LCC)-Planung als Erfolgsfaktor» und wies auf die Wichtigkeit der Planung hin. Als Nutzen einer solchen Kosten-Analyse nennt er die Vergleichbarkeit von unterschiedlichen Konzepten (Bau und Betrieb) im Langzeitvergleich, Grundlage für Vergleiche => Wettbewerb, Transparenzschaffung über künftig anfallende Kosten, Möglichkeiten von langfristigen und wiederkehrenden Optimierungsansätzen aufzeigen sowie die Langfristplanung von Investitionsvorhaben (Cash Flow Management).

Noch Fragen zur Spital-Finanzierung

Der Referent Dr. Christian Kraft, Leiter Immobilienresearch Schweiz, Credit Suisse AG, formuliert in seinem Vortrag die Schwerpunkte: Neue Spitalfinanzierung stellt verschiedene Akteure – auch aufgrund Umsetzungsunsicherheiten – vor Herausforderungen. Ziel muss sein, tiefere Kosten pro Leistungseinheit zu erzielen.

Herausforderungen sind lösbar, unter andern weil Spitalnachfrage auch künftig wachsen wird Nicht jedes Spital hat die gleiche Ausgangslage: Versorgungsdichte und damit Wettbewerbsintensität) ist unterschiedlich gross und Markt wächst regional unterschiedlich stark. Der Konzentrationsprozess wird daher anhalten, angesichts der grossen Dichte des Spitalnetzes jedoch mehr Chance als Gefahr. Der Nachholbedarf bei Spitalimmobilien ist gross: Momentan ist ein Bauvolumen von 9 Milliarden Franken absehbar – was wohl nur die Spitze des Eisbergs ist. Christian Krafts Fazit: Gute Ärzte und Mitarbeiter, Spezialisierung, Kooperationen, ausgewogene Formen der privatwirtschaftlichen Finanzierung und die richtige geografische Positionierung sind die zukünftigen Erfolgsfaktoren.

22.05.2014 | Autor Eugen Rieser

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